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 Betreff des Beitrags: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 21.10.2013, 18:31 
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Registriert: 17.02.2013, 22:27
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Moin,

mich beschäftigt sehr der Song "In stürmischer See" von "Was ist denn hier nicht los?". Die Lyrics gibt es bei Google.

Seit dem ersten Hören fühle ich mich sehr inspiriert von diesem Song (ich mache selber Musik, schreibe aber hauptsächlich), habe aber noch Probleme mit der Interpretation und irgendwie halte ich das für nötig, um daraus irgendetwas zu schaffen. Ich bin überwältigt von diesem Lied und habe selten etwas vergleichbares gehört.

Also brauche ich eure Hilfe. Was haltet ihr von diesem Song? Gibt es irgendwelche "Stellungnahmen" seitens Stephan dazu (ich finde im Internet nichts) und wie interpretiert ihr ihn? Wieso meint ihr hat er es "nur" auf eine EP geschafft?

Am Idealsten wäre wohl, wenn sich Stephan oder ein Teil der Band selbst dazu melden könnte.

Mich beschäftigt dieses Lied sehr, höre es gerne selber in melancholischen Situationen oder wenn ich nachts durch die Stadt gehe. Am Liebsten zusammen mit "Angst" oder "Bring mich Heim". Diese ruhige, melancholische, hin und wieder auch depressive Seite in Stephans Texten haben mir auch bei den Onkelz schon sehr gefallen (ich bin warscheinlich einer der Wenigen, die hauptsächlich durch "Der W" Fan von Stephan geworden sind und nicht zwangsläufig durch die Onkelz).

Und zu guter Letzt würde ich mich gerne etwas mehr am Forum hier beteiligen. :)

mfg
GJ


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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 21.10.2013, 22:53 
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Registriert: 09.04.2012, 18:52
Beiträge: 362
Wohnort: Vitusstadt
Nabend,

"In stürmischer See" findet sich auch in meiner Top 5 All-time Favoriten Liste wieder, obwohl ich es ansonsten sehr schwer finde, diese Lieder in irgendeiner Liste zu selektieren.

Das Lied ist für mich vom ersten bis zum letzten Ton ein einziger Genuss. Der instrumentale Part harmoniert wirklich perfekt mit dem meisterhaften Lyrics, wie es sogar bei uns W nur selten in dieser Form vorkommt.

Wenn wir das Lied beispielsweise mit "Kafkas Träume" vergleichen, fällt es auf, dass das vorliegende Stück sich in purer Melancholie umhüllt und hier ohne jegliche Selbstreflexion sich dieser in einer vollkommen Ohnmacht hingibt.
Es mag sein, dass dieses sehr negativ wirken kann, allerdings gibt es einfach Momente in denen man sich nicht zu helfen weiß und dieses Lied jemanden hilft, die eigenen Gedanken welche nicht zu artikulieren sind, in ein angemessenes Konstrukt zu konvertieren.

Kann da aus eigener Erfahrung sprechen. Als mein bester Freund plötzlich verstorben ist, wusste ich auch nicht wohin mit meinen Gedanken. Insbesondere dieses Lied, hat mir durch diese schwere Zeit geholfen.

Es ist allerdings so, wie bei jedem anderen Lied auch. Eine klare allgemeine Meinung/Interpretation gibt es einfach nicht und das ist auch richtig so. Jeder wird etwas anderes in diese Lieder hineinstecken. Dafür sind diese Lieder auch da.

_________________
A life on the Anti-Islands


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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 24.10.2013, 09:35 
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Registriert: 28.04.2013, 10:55
Beiträge: 289
wie interpretierst du diesen song für dich?


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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 24.10.2013, 14:48 
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Registriert: 17.02.2013, 22:27
Beiträge: 3
Generell ist die Interpretation von Liedtexten die individuelle Sache eines jeden, sofern der Text nicht so 'einfach' gestrickt ist, dass seine Bedeutung sofort auf der Hand liegt. Aber zum Glück gehört der Großteil der Texte des Herrn Weidner eben nicht zu jener Art von Liedern.

Während ich also bei so ziemlich jedem Song der Band zufrieden und glücklich bin und mich gut fühle, eine Interpretation gefunden zu haben, sieht das bei "In stürmischer See" etwas anders aus. Möglicherweise hat der Text für Stephan überhaupt keine so große Bedeutung, wie eben für mich. Das macht natürlich nichts. Ich habe beim Hören dieses Songs ein unruhiges Gefühl und den Drang, ihn unbedingt richtig zu verstehen. Eben deshalb dieser Thread.

Ich stelle mir bei diesem Text eine Figur vor, die einen (lebens)langen Kampf hinter sich hat, schließlich feststellt, dass es keinen Sinn hat und aufgibt oder einfach verliert. Allerdings ist die Figur am Ende nicht zufrieden, wie es z.B. der Fall sein kann, wenn man in einem langen Streit nachgibt und sich am Ende doch recht gut fühlt, weil der Streit vorbei ist - eben wegen diesem melancholischen Text, der extrem depressiv und negativ klingt. Ich finde dort nichts Positives, egal, wie sehr ich suche. Anders, als z.B. in "Kafkas Träume" (z.B. zweite Hälfte des Refrains).
Auf Stephan bezogen fällt mir dazu in erster Linie sein jahrelanger "Kampf" (gibt es sichere einen besseren Begriff) mit den Medien ein, der eben bis heute reicht und wohl auch leider nie enden wird. Allerdings wirkt der Song so intim, dass ich mir vorstellen kann, da steckt noch etwas anderes hinter. Vielleicht deshalb "nur" die Veröffentlichung auf einer EP?

Ich würde mich sehr über andere Interpretationen freuen, um meine Sichtweise auf diesen Song zu erweitern. Das ist eben alles sehr persönlich und ich kann mich sehr gut in den Text hineinversetzen, aber diesmal reicht mir das irgendwie nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 19.11.2013, 22:16 
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Registriert: 19.11.2013, 18:46
Beiträge: 198
Wohnort: Netherworld
Das Ende aller Hoffnung: Ein von Bedeutung geprägter abschnitt geht zu ende.

Das Ende aller Sprache: Es hat die sprache verloren, jegliche grundlage der Kommunikation entschwindet.

Der letzte Ausweg liegt unter weißen Laken: Ein teil (D)einer Persönlichkeit Stirbt.

Ich seh die Sonne nicht, das Leben ist verschwunden: Der glaube daran erlischt, die Hoffnung kehrt dir den Rücken, du weist, du stehst auf verlorenem Posten.

das Leben ist verschwunden, Der Himmel schwarz: Das bewust werden der Situation übernimmt die kontrolle über dein denken, alles scheint Negativ.

Ich drehe einsam meine Runden: Du sitzt da, die gedanken kreisen um ein einziges thema, Paralyse.

Welche Tochter, welcher Sohn?
Glaube, Liebe, Hoffnung.
Der unbesetzte Thron
Hoffnungsschimmer, Silberstreif.
Keine Ahnung, wo er ist und wie er heißt. Die existenz von Glaube, Liebe und Hoffnung wird in frage gestellt, Gedanken kreisen, dein thema wird zur Alltäglichen Routine.

Grandios gescheitert.
Das Schiff versenkt: Das bewustwerden des scheiterns lässt Schuldgefühle in dir keimen (Obwohl in manchen fällen die schuld nicht bei dir zu suchen ist "Selbstsuggestion", Selbstmittleid)

Ich löse mich auf.
Und mit mir meine Welt.
Stumme Schreie,
stilles Leiden.
Trost gibt es nicht.
Das Requiem, die Geigen: Die kreisenden gedanken fressen deine Persönlichkeit, Reflektieren dir ein fatal falsches bild, geschaffen durch das Selbstmitleid. Du suchst jemanden zu reden, keiner ist da, oder versteht was du sagst, still leidet deine Seele, kein trost, durch nichts und niemanden, Das ergebnis ist das melancholische Spiel der Geigen.

Habt ihr mich da, wo ihr mich wolltet?
In stürmischer See.
Habt ihr mich da, wo ihr mich wolltet?
Habt ihr mich da, wo ihr mich wolltet?
In stürmischer See.
Bin ich da, wo ihr mich wolltet?: Ist das alles gewollt, absichtlich herbei geführt, von wem auch immer?

Laborier an einem Dauerkater.
Kann das nicht kompensieren.
Will alle Fesseln lösen,
doch fühl mich schwach und kastriert.
Vom freien Tode.
Von gestutzten Flügeln.
Hab den Weg verloren
und bin des Lebens müde: Weiteres, tieferes einsinken in das Selbstmitleid, gedanken kreisen weiter, Depression, Aufgabe der Persönlichkeit, innerer zerfall, der tod scheint der einzige ausweg.

......

So, oder ähnlich..... Ein tiefer fall nach unten, der fahrstuhl nach oben ist besetzt.
Letzten endes beschreibt es meiner Meinung nach den Persönlichkeitsverfall nach einer traumatischen erfahrung.

_________________
Der Traum enthält etwas, das besser ist als die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit enthält etwas, das besser ist als der Traum. Vollkommenes Glück wäre die Verbindung beider.
(Leo Tolstoi)


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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 20.11.2013, 21:02 
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Moderator

Registriert: 16.12.2011, 01:31
Beiträge: 10211
Wohnort: NRW
@ Flickenkopp

Interessante und schlüssige Interpretation wie ich finde!

Also hier auch noch einmal offiziell:

Willkommen im Forum! :-)

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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 20.11.2013, 21:57 
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Registriert: 19.11.2013, 18:46
Beiträge: 198
Wohnort: Netherworld
@Moondog:

Vielen Dank, auch für deine Einladung ;-)

Gute Nacht.

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(Leo Tolstoi)


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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 21.11.2013, 01:28 
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Moderator

Registriert: 16.12.2011, 01:31
Beiträge: 10211
Wohnort: NRW
@ Flickenkopp

Haha, ok, schlaf gut! ;-)

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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 23.11.2013, 20:47 
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Registriert: 28.10.2012, 22:54
Beiträge: 33
Für mich geht es in dem Lied auch sehr um den Umgang mit anderen Menschen. Ein Aufruf das man mit seinem Verhalten anderen gegenüber sehr viel Schaden anrichten kann. Habt ihr mich da wo ihr mich wolltet......
Ein für einem selbst belangloser Satz bzw. Verhalten kann bei einem ohnehin schon labilem Menschen ein Schubser in Richtung Klippe sein.
Ihr habt ja sicher von dem Mädchen gehört das sich wegen Cybermobbing umgebracht hat. Die Situation spiegelt den Text von " In stürmischer See " für mich sehr gut wieder.
Ist für mich auch das bisher einzigste Lied von Stephan das mich nicht zum Ende hin wieder aufbaut. Mit einem gestärktem Gefühl verlässt man dieses Lied nicht ;-)

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.....wir sinken nur zum Boden um uns abzustoßen......


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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 03.07.2014, 19:37 
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Registriert: 03.07.2014, 19:16
Beiträge: 1698
Wohnort: Saarbrücken
Hallo zusammen !!
Nach ewig langer Zeit des "Nur-Mitlesens" wurde ich heute regelrecht genötigt, mich hier anzumelden ;)

Und dieses Thema und der dazugehörige Song haben mich zu meinem ersten Beitrag verführt.

Ganz klar mein absoluter Lieblingssong und ich kann noch nicht mal sagen warum. Selten hat mich ein Lied so berührt, so tief getroffen, so sehr erschüttert und gleichzeitig so froh und glücklich gemacht. Jedes Mal, wenn ichs höre, weint mein Herz und meine Seele und zur gleichen Zeit könnte ich lachen und die Welt anmalen. Ich weiß bis heute nicht, was es ist, was mich so tief in meiner Seele berührt. Der Text - sowieso, der Gesang - Hammer, der Song an sich macht mich fertig, ich leide und ich liebe. Aber es tut jedes Mal gut, ihn zu hören.

Ich erwarte nicht, dass das irgendwer nachvollziehen kann - ich kanns ja selbst nicht ;)

Aber ich weiß, was ich jetzt höre und was ich mir auf der Tour demnächst wünsche ;)

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++++++++++++++++Nihil fit sine causa++++++++++++++++

"...ich bin hier und jetzt und werde morgen sein..."


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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 06.07.2014, 16:28 
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Registriert: 17.01.2014, 19:30
Beiträge: 675
Wohnort: NRW
Habe ich bisher ja links liegen lassen, ist eben etwas ruhiger...da höre ich gerne drüber weg.
War ein Fehler, Micky, ich sollte WIRKLICH öfter auf dich hören!

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~~~~~~~~Dunkelheit gibt es nicht, was fehlt ist nur das Licht~~~~~~~~


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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 17.07.2014, 21:09 
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Registriert: 22.04.2007, 22:02
Beiträge: 24
Also ich hab den Song jetzt wirklich einige Male gehört. Jedes Mal mit der selben Ergriffenheit und immer gleich Tränen in den Augen. Krass. Wenn ich nicht genau wüsste, dass ich meine Gefühle so nie aufs Papier bringen könnte, würde ich glauben, er hat in meinem Tagebuch aus Jugendtagen gelesen. Das ist so krass (sorry für die Wiederholung).

Natürlich hat jeder seine persönliche Sicht auf die Songs. Jeder interpretiert etwas für sich rein, etwas, dass für ihn/sie stimmig ist.

Für mich fühlt es sich nach verschiedenen, depressiven Phasen an, die ich aus eigener Erfahrung kenne:

Das Ende aller Hoffnung – Das Ende aller Sprache
Der letzte Ausweg – Liegt unter weißen Laken
Ich seh’ die Sonne nicht – Das Leben ist verschwunden
Der Himmel schwarz – Ich drehe einsam meine Runden

Das Ende aller Hoffnung: Bedarf wohl keiner weiteren Erklärung.
Das Ende aller Sprache: Bei mir ein Gefühl der Ohnmacht. So lange ich rede, mich streite, mich mit den Dingen oder Personen auseinandersetze, so lange ist alles "in Ordnung". Aber wenn ich nicht mehr Rede, also das Ende der Sprache erreicht ist und ich anfange, aus Selbstschutz zu ignorieren, dann ist es eigentlich schon zu spät.
Ich seh' die Sonne nicht: Diese sonnendurchfluteten Tage, an denen alle Menschen glücklich scheinen, nur ich selbst bin so mit mir und meinen Gefühlen beschäftigt, dass ich nicht einmal die Sonne sehe/ wahrnehme und mich somit auch nicht darüber freuen kann
Das Leben ist verschwunden: Der Punkt, an dem aus Leben ein vegetieren wird
Der Himmel schwarz: Egal welche Farbe er in Wirklichkeit hat
Ich drehe einsam meine Runden: Dieses Gefühl, wenn man eigentlich jemanden in seiner Nähe braucht, aber Menschen gerade nicht erträgt, weil man sich selbst nicht erträgt und niemandem zur Last fallen will

Welche Tochter – Welcher Sohn
Glaube, Liebe, Hoffnung – Der unbesetzte Thron
Hoffnungsschimmer – Silberstreif
Keine Ahnung – Wo er ist und wie er heißt

Welche Tochter - Welcher Sohn: Wer soll einem schon helfen können?
Glaube, Liebe, Hoffnung: Bei Seefahrern seit jeher nicht nur als Tattoo beliebt, sondern auch mit unglaublicher Symbolkraft. Glaube, Liebe, Hoffnung. Wenn niemand von diesen drei Sockeln mehr da ist (auch wenn man es nur glaubt), dann wird es wirklich schwer.
Der unbesetzte Thron: Tja. Niemand mehr da. Weder Glaube, noch Liebe, noch Hoffnung. Untermauert für mich den 1. Teil noch einmal.
Hoffnungsschimmer - Silberstreif: Für mich die treffenste Zusammenfassung des unbändigen Gefühls, sich an einen Strohalm zu hangeln. Ich würde es mit Lebenserhaltungstrieb gleichsetzen.
Keine Ahnung - Wo er ist und wie er heißt: Silberstreif zeig dich. Auch wenn ich dich vielleicht nicht auf Anhieb sehen werde, aber zeig dich doch. Für mich der Ausdruck purer Verzweifelung.

Grandios gescheitert – Das Schiff versenkt
Ich löse mich auf – Und mit mir meine Welt
Stumme Schreie – Stilles Leiden
Trost gibt es nicht – Das Requiem, die Geigen

Grandios gescheitert - Das Schiff versenkt: Der Moment der Reflektion. Der Moment des sich darüber bewusst werden, in was für einer Situation man ist. Quasi die letzte Ausfahrt. Oder aber die letzte Tankstelle vor der Autobahn.
Ich löse mich auf - Und mit mir meine Welt: Ich werde Luft. Nicht nur für mein Umfeld, sondern auch für mich. Ich nehme mich selbst kaum noch war, was aber ein Erfolg ist, wenn man betrachtet, dass die Welt schon länger ausgeblendet wird.
Stumme Schreie - Stilles Leiden: Unbewusstes (!) Verhalten, welches vom Umfeld als Hilferuf aufgefasst werden könnte. Allerdings kaum noch vorstellbar in der heutigen, schnelllebigen Welt, in der man sich kaum noch für den Namen des Nachbarn interessiert.
Trost gibt es nicht - Das Requiem, die Geigen: Das wars. Man gibt sich selbst auf. Einige kennen es, andere (Gott sei dank) nicht: Wenn man in Gedanken seine eigene Beerdigung durchspielt. Und das auch noch als erlösenden bzw. befreienden Gedanken empfindet. Wer an der Stelle keine Hilfe bekommt, bzw. annehmen kann, da wird es leider wirklich düster...

Habt ihr mich da wo ihr mich wolltet – In stürmischer See
Habt ihr mich da wo ihr mich wolltet
Habt ihr mich da wo ihr mich wolltet – In stürmischer See
Bin ich da wo ihr mich wolltet

Habt ihr mich da wo ihr mich wolltet - In stürmischer See: Das ist in meinen Augen auch eine Phase. Wenn einen die Selbstreflektion nicht weiter bringt, man aber irgendwo mit seinen Gefühlen und Gedanken hin muss(!), dann ist man (oder bin ich) auch sehr schnell dabei, andere dafür zumindest mitverantwortlich zu machen. Für mich persönlich eine geniale Zeile, da ich mich auch eine Zeit lang von meinem Umfeld in die Ecke getrieben fühlte und erst lernen musste (sorry für das bo Zitat:) Das Problem bist du (also ich) und nicht die anderen!

Laboriert an einem Dauerkater – Kann das nicht kompensieren
Will alle Fesseln lösen – Doch fühl’ mich schwach und kastriert
Vom freien Tode – Von gestützten Flügeln
Hab den Wen Weg verloren – Und bin des Lebens Müde

Laboriert an einem Dauerkater - Kann das nicht kompensieren: Diese Zeit, das Gefühl, ist noch gar nicht so lange her. Drei Tote innerhalb von 3 Monaten. Ich kam gar nicht mehr hinterher mit dem "verarbeiten". Ich versuchte auch zu kompensieren. Aber es kommt der Punkt, an dem ist es dann einfach zu viel.
Will alle Fesseln lösen - Doch fühl' mich schwach und kastriert: Schöne Lüge, die man sich gerne auftischt. Wenn ich weg bin, woanders bin, dann wird alles besser. Von alleine. Aber selbst zum wegrennen fehlt einem die Kraft. Und nicht nur die. Vor allem Mut. Aber eben auch Glaube, Liebe und Hoffnung.
Vom freien Tode - Von gestützten Flügeln: Gedanken um und an den Freitod. Fehlender Mut (Gott sei Dank!) und daher die irreale Hoffnung auf eine gefährliche Situation, die einen das Leben kosten könnte. So könnte sich der akute Wunsch nach dem Tod (bzw. meistens ist es ja nur eine verklärte Vorstellung und kein richtiger Wunsch), bzw. der Wunsch nach einer endgültigen Flucht (in den Tod) erfüllen und man würde nicht als Feigling oder Verräter geächtet werden. Wer verflucht schon ein Unfallopfer? Übertrieben gesprochen.
Hab den Wen Weg verloren – Und bin des Lebens Müde: Endlich wird es ausgesprochen. Der Gipfel ist erreicht. Man will nicht mehr. Punkt!

Dunkelheit und Stille – Senkt sich auf mich nieder
Rammt einen Pflog in mein Herz – Immer wieder, immer wieder

Dunkelheit und Stille - Senkt sich auf mich nieder: Es sind nun einmal vor allem die Abende, an denen einem die Einsamkeit bewusst wird. Wenn der Stress abfällt, das Ablenkungsmanöver "Alltag" sich verkrümelt und man Zeit hat. Zeit für Einsamkeit (die unfreiwillige Einsamkeit). Zeit für Gedanken. Zeit zu schlafen. In einem riesen Bett. Alleine. Es ist Nacht. Schlaflosigkeit und immer noch Einsamkeit.
Rammt einen Pflog in mein Herz – Immer wieder, immer wieder: Wenn man diese Einsamkeit eine Zeit lang ertragen hat/ertragen musste, fühlt es sich jeden einsamen Abend/Tag an, wie ein kleiner Tod. Eben wie ein Pflog, der einem immer und immer wieder ins Herz gerammt wird, man nur eben nicht dabei stirbt, sondern es einfach immer weiter ertragen muss. Ohne Aussicht auf eine Änderung...

Ja. Für mich ist es ein Ausdruck purer Depression. Aber da auch ich an dieser Volkskrankheit leide, sehe ich den Song dennoch positiv: Er (der W als Songwriter) hat es geschafft, sich so mit dem Thema auseinander zu setzen, dass andere noch etwas daraus ziehen können:

Den Glauben daran, dass es doch noch Menschen gibt, die einen verstehen (in dem Fall der W oder wessen Gedankenwelt auch immer er mit diesem Song darstellen möchte)
Die Hoffnung darauf, dass es aus jedem Loch doch noch einen Ausweg gibt. Und sei dieser auch musikalischer Natur.
Die Liebe. Zur Musik. Zur Lyrik. Auch zur deutschen Sprache. Und in dem Fall zum W und seiner einzigartigen Ausdrucksweise.

Sorry, ist extrem lang geworden. Aber wenn ich mich mal ans Schreiben setze...

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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 17.07.2014, 22:08 
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Registriert: 17.01.2014, 19:30
Beiträge: 675
Wohnort: NRW
Rein vom Text her ja, ist es UNGLAUBLICH!
aber auch nach dem ich es mir öfter angehört hab,
funkt es musikalisch einfach nicht.
Ne weniger ruhige Version davon würde mir sicher besser liegen,
aber gut...es ist wie es ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 17.07.2014, 22:15 
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Registriert: 03.07.2014, 19:16
Beiträge: 1698
Wohnort: Saarbrücken
Aber genau DAS ist es doch...dieses Melancholische, Tieftraurige, was diesen Song ausmacht. Dazu Stephan's Gesang, mal ruhig, mal aggro...endgeil und für mich einfach mein Herz-und Seelenlied. Sogar meine Tochter meinte letztens "er singt das, was ich denke und fühle". Erschreckend, wie nah einem ein an und für sich vollkommen Fremder kommen kann...

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 Betreff des Beitrags: Re: "In stürmischer See"
BeitragVerfasst: 17.07.2014, 22:20 
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Registriert: 22.04.2007, 22:02
Beiträge: 24
Falls das nicht aufgefallen sein sollte: Ich kann deine Tochter verstehen^^

Es ist im Moment echt so, dass ich von dieser W-elle überrollt werde. Aber selten bin ich so gerne von etwas überrollt worden.

Und dieser Song ist, so wie er ist, perfekt!
Kann natürlich verstehen, dass es nicht jedermanns Sache ist, denn bei mir ist so etwas extrem stimmungsabhängig. Es gibt Phasen, da passt so etwas und dann gibt es Phasen, da geht so etwas gar nicht.

Und im Moment geht die stürmische See verdammt gut ;)

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